Zum Thema des Evangelischen Jugendcamps 2012

„Feuer und Flamme“

„Feuer und Flamme“: Diese Worte kommen in der Bibel sehr häufig vor, manche Stellen sind geradezu voll von bildlichen Vergleichen mit Feuer. Über 400 Stellen gibt es in der Bibel, in denen von Feuer die Rede ist, meist im Alten Testament, aber auch rund 60 x im Neuen Testament.

Wofür stehen „Feuer und Flamme“? Wie lässt sich an das Thema andocken?
Es gibt vielfältige Assoziationen.
Darum haben wir in diesem Jahr viele verschiedene Texte als Impulse gewählt.

1. Begeisterung – Feuer und Flamme sein

Es gehört von Beginn an dazu: Glauben begeistert!
Erfahrungen im Alltag zeigen auch: Begeisterung kann Unmögliches möglich machen.
Wer mit Begeisterung bei der Sache ist, mobilisiert ungeahnte Kräfte.
Mit Begeisterung geht vieles leichter von der Hand.
Begeisterung sucht sich entsprechende Ausdrucksform: Tanz, Musik, Jubel,

Biblisch gehört zur Begeisterung natürlich der Geist Gottes

BIBELTEXTE:

1.    Gottes Geist befreit von inneren und äußeren Zwängen und macht mutig und entschlossen zum Handeln. Er gibt Freiheit, die zu Veränderung befähigt.

Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. 2.Kor 3,17

2.    Der Jubel nach dem Durchzug durch das Schilfmeer – Mirjam schlug auf die Pauke – vor Begeisterung „auf die Pauke hauen“

Der HERR wird König sein immer und ewig. Denn der Pharao zog hinein ins Meer mit Rossen und Wagen und Männern. Und der HERR ließ das Meer wieder über sie kommen. Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer. Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen. Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan; Ross und Mann hat er ins Meer gestürzt.    
2. Mose 15, 20

Wenn Menschen sich (zum positiven) verwandeln, wenn Veränderungen eintreten, die keiner erwartet hat, dann sind das Zeichen für Gottes Geist.

2. Gott brennt für uns – Visionen leben

Gott „brennt“ für uns. Gott wird immer wieder im Zusammenhang mit Feuer erlebt. Es ist ein Bild seines Wirkens auf dieser Welt. Für eine Welt, in der Leid und Unfreiheit hinter sich gelassen werden und der Aufbruch gelingt.

BIBELTEXTE:

1.    Als Mose von Gott berufen wurde hatte er ein seltsames Erlebnis:
Gott offenbart seinen Namen im Dornbusch, der sich nicht verzehrt. Er sagt Befreiung zu. Gottes Zuwendung hört niemals auf.

Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch. Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde... Und der HERR sprach: Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen und ihr Geschrei über ihre Bedränger gehört; ich habe ihre Leiden erkannt. Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land, in ein Land, darin Milch und Honig fließt.  
Mose sprach zu Gott: Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme und spreche zu ihnen: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!, und sie mir sagen werden: Wie ist sein Name?, was soll ich ihnen sagen?
Gott sprach zu Mose: Ich werde sein, der ich sein werde. Und sprach: So sollst du zu den Israeliten sagen: »Ich werde sein«, der hat mich zu euch gesandt.  
2.Mose 3,2-8. 13+14

2.    Als das Volk Israel aus der Sklaverei ausbrach, da waren sie nicht allein: Gottes Feuersäule ging ihnen voraus, brannte für sie und wies ihnen so den Weg – Gott gibt Orientierung

Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.
2.Mose 13,21+22

3. Licht und Dunkel – Realitäten des Lebens

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.
Wer dem Feuer zu nah kommt, kann sich auch verbrennen.
Zu Feuer und Flamme gehört auch eine Ambivalenz.
Feuer kann vernichten, Flammen können so hell sein, dass sie (ver)blenden
Das Thema sollte auf gar keinen Fall die dunklen Seiten, die schlimmen Erfahrungen im Leben ausblenden. Schattenseiten, Ungerechtigkeiten sollen zur Sprache kommen, aber mit der Ausrichtung auf eine veränderte Lebenspraxis (Reich-Gottes-Hoffnung) „Als Stellvertreterinnen Christi sind alle Menschen aufgerufen, sich von Gott gebrauchen zu lassen, um die Heilung der Welt voranzutreiben.“ D.Sölle (Potentiale des (politischen) Widerstandes) Glück austeilen ist nach Sölle eine geistlich-politische Übung.

BIBELTEXTE:

1.    Die Option für die Armen und Unterdrückten, die Hoffnung auf Befreiung

Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht, und über denen, die da wohnen im finstern Lande, scheint es hell.     
Jes 9,1

2.    Licht und Glück werden ins Leben gerufen

Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen.
Mt 5, 6+7+9

4. Gottes Zorn – Chance zum Neubeginn

Die Bibel berichtet immer wieder vom Zorn Gottes über die Menschen: Über Ungerechtigkeit, Krieg, Gier und Habsucht, Gewalt. Im Feuer wird das „Böse“ vernichtet und der Weg für neues bereitet.
Aber: Die Begeisterung für Gott steht in der Gefahr, sich selbst als „Gottes Werkzeug“ zu verstehen. In der Bibel gehört der Zorn Gott, nicht dem Menschen.

BIBELTEXTE:

1.    Die Geschichte von Sodom und Gomorra schildert eindrücklich, dass Gott bereit ist, um der „Gerechten“ willen, die Stadt zu verschonen.

Darum sagte der HERR: »Über die Leute von Sodom und Gomorra sind schwere Klagen zu mir gedrungen. Ihre Schuld schreit zum Himmel. Deshalb will ich jetzt hingehen und mit eigenen Augen sehen, ob das wahr ist, was ich gehört habe. Ich will wissen, ob sie es wirklich so schlimm treiben.
Abraham trat an ihn heran und sagte: »Willst du wirklich Schuldige und Schuldlose ohne Unterschied vernichten? Vielleicht gibt es in Sodom fünfzig Leute, die kein Unrecht getan haben. Willst du sie auch umkommen lassen und nicht lieber die ganze Stadt verschonen wegen der fünfzig? Du bist der oberste Richter der ganzen Erde, darum darfst du nicht selbst gegen das Recht verstoßen!« Der HERR sagte: »Wenn ich in Sodom fünfzig Unschuldige finde, will ich ihretwegen die ganze Stadt verschonen.«
Noch einmal fing Abraham an: »Ich habe es nun einmal gewagt, dir dreinzureden, Herr! Vielleicht sind es nur zwanzig.« »Ich verschone sie auch wegen zwanzig.« »Nur noch ein einziges Mal laß mich reden, Herr«, sagte Abraham; »werde nicht zornig! Vielleicht sind es auch nur zehn.« Und der HERR sagte: »Ich verschone sie auch wegen zehn. …
Da ließ der HERR Schwefel und Feuer vom Himmel auf Sodom und Gomorra herabfallen. Er vernichtete die beiden Städte und die ganze Gegend, ihre Bewohner und alles, was dort wuchs.
Aber Gott hatte an Abraham gedacht: Als er die Städte in der Jordangegend vernichtete, sorgte er dafür, daß Lot, der dort wohnte, der Katastrophe entging.
aus Gen 18 und 19
 
2.    Auch Jesus verwendet ein Gleichnis:

Die Axt ist schon angelegt, um die Bäume an der Wurzel abzuschlagen.
Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und
ins Feuer geworfen. Johannes sagte auch: »Ich taufe euch mit Wasser,
damit ihr euer Leben ändert. Aber der, der nach mir kommt, ist mächtiger
als ich. Ich bin nicht einmal gut genug, ihm die Schuhe auszuziehen.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit dem Feuer des
Gerichts taufen. Er hat die Worfschaufel in seiner Hand.
Er wird die Spreu vom Weizen scheiden und seinen Weizen in
die Scheune bringen. Die Spreu wird er in einem Feuer verbrennen,
das nie mehr ausgeht.

Matthäus 3,10 – 12

5. Für etwas brennen – sich aufmachen

Wer für etwas brennt, gibt ganz viel von sich selbst.
Im Engagement ganz viel zu gewinnen, erleben die, die einen Ort gefunden haben, der ihrem Leben Sinn gibt.

BIBELTEXTE:

1.    Gottes Gegenwart und Nähe lässt sich körperlich spüren. Manchmal nehmen wir sie allerdings nicht war, sind unsere Blicke verdunkelt, nehmen wir nichts von Gottes Gegenwart wahr. Bis uns die Augen geöffnet werden.

Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen. Da wurden ihre Augen geöffnet und sie erkannten ihn.
Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

Die Emmausjünger aus Lk 24, 13-35

2.    Als das Pfingstfest kam, waren wieder alle, die zu Jesus hielten, versammelt. Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren. Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder. Alle wurden vom Geist* Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab…
Erstaunt und ratlos fragten sie einander, was das bedeuten solle. Andere machten sich darüber lustig und meinten: »Die Leute sind doch betrunken!«
Da stand Petrus auf, und die elf anderen Apostel mit ihm, und er rief laut: »Ihr Juden aus aller Welt und alle Bewohner Jerusalems! Laßt euch erklären, was hier vorgeht; hört mich an!
Die Leute hier sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst neun Uhr früh. Nein, hier geschieht, was Gott durch den Propheten Joël angekündigt hat: 'Wenn die letzte Zeit anbricht, sagt Gott, dann gieße ich über alle Menschen meinen Geist aus. Männer und Frauen in Israel werden dann zu Propheten. Junge Leute haben Visionen und die Alten prophetische Träume. Über alle, die mir dienen, Männer und Frauen, gieße ich zu jener Zeit meinen Geist aus, und sie werden als Propheten reden.

Apg 2,1-18

6. Leuchtkraft – Zum Leuchten bringen

Menschen, die glücklich sind, die ihr Leben als erfüllt und sinnvoll empfinden, leuchten. Die innere Balance und Freude strahlt nach außen und steckt andere an.
So werden sie zum Licht für andere Menschen, strahlen Wärme und Geborgenheit aus.

Gott lässt sein Angesicht über mir leuchten.

BIBELTEXTE:

1.    Die Begegnung mit Gott lässt Menschen leuchten

Als Mose vom Sinai herunterstieg, hatte er die beiden Tafeln der Bundesurkunde in der Hand. Während Mose vom Berg herunterstieg, wusste er nicht, dass die Haut seines Gesichtes Licht ausstrahlte, weil er mit dem Herrn geredet hatte.
Ex 34,29

2.    Gott schenkt durch seinen Segen Leuchtkraft, so dass wir unser Licht für andere leuchten lassen können

Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
4.Mose 6, 24-26

So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Mt 5,16