In den Ausgaben Nr. 39 vom 24. September 2006 erschien in den beiden Evangelischen Kirchenzeitungen "Die Kirche" und "Glaube und Heimat" der folgende Artikel:


Premiere: Rund 800 Teilnehmer kamen am Wochenende zum Jugendcamp ins Kloster Volkenroda

Neue Marke, neuer Ort
Von Martin Hanusch


Erstmals feierten Jugendliche aus Thüringen und der Kirchenprovinz Sachsen gemeinsam. »Grenzenlos« war nicht nur die Atmosphäre des Camps, sondern auch die Zahl der Angebote. Zugleich schlug die Geburtsstunde des Bundes Evangelischer Jugend in Mitteldeutschland.

Der Christuspavillon im Kloster Volkenroda gleicht einem bunten Heerlager. Dicht an dicht hocken, sitzen und liegen die Jugendlichen auf dem Boden. Zum »liturgischen Abendessen« haben sich fast alle Teilnehmer des ersten gemeinsamen Jugendcamps von Thüringer Landeskirche und Kirchenprovinz Sachsen im einstigen EXPO-Pavillon versammelt. »Wir sind hier, um das Leben zu feiern«, begrüßen die Pfarrer Teja Begrich und Jochen Lenz die Besucher. Und da sei es gut, dem zu danken, der das Leben schenkt. Es folgt eine bunte Mischung aus Musik, Psalmlesung und Anspiel zum Motto des Camps: »Grenzenlos«.
Doch es bleibt nicht bei dieser einen Feier. Gleich im Anschluss schlägt die Geburtsstunde des Bundes Evangelischer Jugend in Mitteldeutschland (bejm), der sich durch den Zusammenschluss der bisherigen Jugendverbände gebildet hat. Ziel sei eine stärkere Interessenvertretung gegenüber der Kirchenleitung und der Politik, so Landesjugendpfarrerin Dorothee Land. Insgesamt vertritt der neue Dachverband rund 300000 Kinder und Jugendliche in beiden Kirchen.
Eigens zu diesem Anlass sind auch die Bischöfe Axel Noack und Christoph Kähler nach Volkenroda gekommen, um den Jugendlichen und Machern ihre guten Wünsche mit auf den Weg zu geben. Die kommen auch von den Vertreterinnen der beiden Landesjugendkonvente. Anke Engelmann (Kirchenprovinz) und Christin Klappauf (Thüringen) wünschen dem neuen Bund »offene Augen und mitfühlende Herzen« sowie den Mut, neue Projekte anzustoßen.
Ein erstes gemeinsames Vorhaben ist bereits das Camp, das die bisherigen landeskirchlichen Treffen ablöst. Schon seit Freitag bevölkern mehr als 700 Jugendliche und knapp 100 Helfer das Gelände rund um die Klosterkirche und den Christuspavillon. Nicht nur die beiden 16-jährigen Schülerinnen Charlotte und Norma aus Rudolstadt loben die »total geniale« Atmosphäre in dem nach der Wende wiedererstandenen Kloster.
Zwar ist die Teilnehmerzahl deutlich hinter den Erwartungen von 1500 zurückgeblieben. Gleichwohl zeigen sich die Verantwortlichen zufrieden mit dem Verlauf. »Das Camp«, glaubt Dorothee Land, »«muss sich erst noch etablieren.« Das sieht Ulrich Töpfer, Landesgeschäftsführer der Evangelischen Jugend in Thüringen, ganz ähnlich. Bei dem Vorhaben handele es sich um eine »neue Marke« an einem »neuen Ort«, sucht er nach Erklärungen für den geringeren Zuspruch.
Die meisten Jugendlichen kümmert solche Ursachenforschung freilich wenig. Sie sind nach Volkenroda gekommen, um zu feiern, sich mit Gleichgesinnten zu treffen und aus dem reichen Fundus von rund 100 Veranstaltungen – Workshops, Sportwettkämpfen und Live-Musik – auszuwählen. Allein am Sonnabendvormittag gibt es 17 Bibelarbeiten – von einer reinen Mädchengruppe bis hin zum erlebnispädagogischen Angebot auf einem Seilparcours.
Die 14-jährige Emma und ihre Freundin Charlotte sind mit einer Jugendgruppe aus Schlöben bei Jena zum Camp gekommen. »Wir wussten gar nicht, was uns erwartet«, räumen sie ein. Umso mehr überrascht zeigen sie sich nun von der Fülle der Angebote. Auch Tobias (17), Felix (16) und Florian (18) aus Groß Rosenburg, Calbe und Schönebeck haben sich mit einer Gruppe aus dem Kirchenkreis Egeln auf den Weg nach Nordthüringen gemacht. Jetzt verschnaufen sie zwischen zwei Programmpunkten am Christuspavillon, der das geistliche Zentrum des Treffens ist. Rundherum stehen die Bühnen und Stände, an denen sich die Landesschülervertretung ebenso präsentiert wie das Thüringer Bibelwerk oder die Diakonenausbildung aus den Neinstedter Anstalten.
Ebenfalls dazu gehören das »Café des Lebens« der Evangelischen Jugend Werratal und das »Zelt der Stille«, das von jungen Leuten aus dem Kirchenkreis Halberstadt betreut wird. Christoph (17) und Rabea (15) aus Wernigerode, zwei der ehrenamtlichen Helfer, sind zum ersten Mal bei einem solchen Treffen dabei. Ihr Interesse gilt vor allem den »Lebensfragen« und dem Austausch mit anderen Jugendgruppen. Auch für den 15-jährigen Benjamin vom Erfurter Ratsgymnasium ist das eine neue Erfahrung. »Hier«, sagt er, »treffen ganz unterschiedliche Jugendkulturen aufeinander und trotzdem verstehen wir uns bestens.«