1. Landesjugendsonntag 1952

Mit großem Eifer gingen wir an 'die Vorbereitung eines Jugendtreffens aus ganz Thüringen. Nach dem starken Erlebnis des Kirchentages in Berlin 1951 für alle Gemeindemitglieder wuchs der Wunsch nach einem solchen stärkenden Erlebnis für die Konfirmanden. Mitarbeiter des Jungmännerwerkes und des Mädchenwerkes, der Jungen- und Schülerarbeit, sowie der Frauen und Mädchenbibelkreise bemühten sich in den Jugendkreisen der Gemeinden das wieder auszubauen, was die Nazis brutal zerschlagen hatten. Kreisjugendsonntage führten uns aus den Einzelgerneinden in eine größere Gemeinschaft. Und nun sollte am Sonntag vor Pfingsten 1952 ein großer Jugendsonntag stattfinden. Aus organisatorischen Gründen wählten wir zwei Orte, die ganz dicht beieinander liegen: Bad Blankenburg für die jungen Männer, Saalfeld für die Mädchen. Die Leiter unserer Jugendwerke, die auf vielen Rüstzeiten und in der Jugendkammer unserer Landeskirche zusammen arbeiteten, fuhren hin und her und hielten die Verbindung. In der Saalfelder Johanneskirche und in der Allianzhalle stellte ich mich als Landesjugendpfarrer vor.

In Saalfeld predigte unser Landesbischof D. Mitzenheim vor 2300 Mädchen; in dieser Stadt hatte er nach 1918 mit der Jugend- und Posaunenarbeit begonnen. Kantor Walter Schönheit hatte einen vierstimmigen Kanon geschrieben; seine "Thüringer Sängerknaben" stimmten ihn an und wir sangen begeistert mit.

Das Christuskreuz über der Weltkugel, das die meisten Teilnehmer als Bekenntniszeichen der Jungen Gemeinde trugen, wurde uns durch Wort und Ton in der Veranstaltung deutlich gemacht.

In der überfüllten Allianzhalle predigte Pastor Martin Jenztsch aus Erfurt. Er gehörte schon in den zwanziger Jahren zum Vorstand des Thüringer Jungmännerwerkes. "Dienet dem Herrn mit Freuden!" Das war das Leitwort für die jungen Männer aus ganz Thüringen. Posaunenchöre - auch aus den Probsteien Nordhausen und Erfurt - bliesen die Choräle. Und an beiden Tagungsorten stimmten wir das Lied des Württemberger Pfarrers Otto Riethmüller an: »Herr, wir stehen Hand in Hand, die dein Hand und Ruf verband, stehn in deinem großen Heer aller Himmel, Erd und Meer."

Wer ahnte, was der zweite Vers zum Ausdruck brachte: „Wetter leuchten allerwärts, schenkte uns das feste Herz!" Einige kannten die Umstände, unter denen dieser Landesjugendsonntag stattfand: er wurde scharf beobachtet von jenen, die ein solches christliches Bekenntnis nicht wünschten. Bald setzte eine infame Bekämpfung der Jungen Gemeinden in den Schulen und Lehrwerkstätten ein, unsere Zeitschrift »Die Staffette" wurde verboten. Am Vorabend der Saatfelder Zusammenkunft ging unser Landesbischof in das Rathaus und setzte sich mit denen auseinander, die unseren Landesjugendtag verbieten wollten, zu dem schon viele auf Fahrrädern angereist waren. Dieses Gespräch war ein Wetterzeichen. Bald kam die Bewährungsprobe für viele junge Christen.

Der Bischof zog von Stadt zu Stadt und hielt in allen Superintendenturen Vorträge, in denen er das Unrecht, das den Jungen und Mädel der christlichen Gemeinden angetan wurde, beim Namen nannte.

Die Ausgabe Nr. 13/1953 von Glaube und Heimat, in welcher D. Mitzenheim für die Junge Gemeinde eintrat, verschwand aus der Jenaer Druckerei und erreichte die Abonnenten nicht. Beim Aufstand am 17. Juni fand man die Postpakete von Glaube und Heimat in der Jenaer Stasi-Zentrale! Am 10. Juni 1953 hatte die Regierung der DDR nach turbulenten Auseinandersetzungen die Diffamierung der jungen Christen zurücknehmen müssen. Eine Zeitlang war Ruhe. Dann brachte die Wiedereinführung der Jugendweihe, die 1946 feierlich abgeschafft war, neue Schwierigkeiten. Kleine Gruppen sammelten sich aber immer weiter in den Gemeinden, ließen sich auf Rüstzeiten stärken, bis endlich wieder ein Landesjugendsonntag gehalten werden konnte: 1964, wieder in Bad Blankenburg.

 

Herbert von Hintzenstern, damaliger Landesjugendpfarrer