Nächstenliebe verlangt Klarheit – Evangelische Kirche gegen Rechtsextremismus

Astrid Rothe-Beinlich macht Mut zu Zivilcourage und warnt vor falscher Toleranz
(Pressemitteilung von Bündnis 90/Die Grünen Thüringen)

Strahlender Sonnenschein über dem Kloster Volkenroda, überall Gruppen von Jugendlichen, die diskutieren, singen, malen, zuhören, lesen oder tanzen.

Der diesjährigen Einladung ins Camp der Evangelischen Jugend waren am Wochenende (5./6.07.08) mehr als 600 junge Menschen aus Thüringen und Sachsen-Anhalt gefolgt, welches unter der Überschrift "befreit" stand.

Und trotz des herrlichen Wetters kamen viele in den beeindruckenden Christuspavillion, wo am Samstag Nachmittag gute zwei Stunden zunächst auf dem Podium und dann auch mit den Jugendlichen zur Frage: "Befreit – national befreit? Rechtsextremismus, eine Herausforderung für die Demokratie!" diskutiert wurde.

Rede und Antwort standen dort Teja Begrich für die Evangelische Kirche, Uwe Schubert, (mobit – mobile Beratung in Thüringen); Antje Ehrlich Strathausen (SPD); Beate Meißner (CDU) und Astrid Rothe-Beinlich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) – moderiert von Christian Liebchen, Dozent für Jugendarbeit im Pädagogisch-Theologischen Institut.

Nach den Eingangsstatements der PodiumsteilnehmerInnen, die jeweils kurz ihren Zugang zum Thema darstellten, gab es zunächst Wissensfragen an die DiskutantInnen, um über Symbole der Nazis, Wahlergebnisse von NPD und DVU in den Ländern und Dresscodes ins Gespräch zu kommen. Große Übereinstimmung gab es zur Einschätzung, dass Rechtsextremismus eine ernsthafte Bedrohung darstellt und auch Kirche, genauso wenig wie Gewerkschaften, Sportvereine oder Parteien vor rassistischen und rechtsextremen Einstellungen ihrer Mitglieder gefeit sind.

Wie jedoch Rechtsextremismus und Rassismus wirksam begegnet werden kann – da gingen die Meinungen auseinander. Während Beate Meißner Landesprogramme für nicht unbedingt zielführend betrachtet, die Politik der Landesregierung als stimmig bezeichnete und gleichermaßen das Augenmerk auf Rechts- und Linksextremismus richtete, forderten Uwe Schubert, Antje Ehrlich-Strathausen und Astrid Rothe-Beinlich unisono auch die Verantwortung des Landes insbesondere mit Blick auf kontinuierliche Strukturförderung von Projekten und Programmen gegen Rechtsextremismus und Rassismus und gezielt nichtrechte Jugendarbeit. Immerhin ist Thüringen nach wie vor das einzige neue Bundesland, ohne ein solches Programm.

Astrid Rothe-Beinlich warnte zudem vor einer "Gleichsetzungslogik" von Rechts und Links, da diese verkenne, welche menschenverachtende Ideologie sich hinter dem Rechtsextremismus verbirgt. "Wenn die Ungleichheit der Menschen propagiert und in wertes und unwertes Leben unterschieden, der Holocaust geleugnet und beispielsweise MigrantInnen oder Obdachlose nur weil sie sind, wer sie sind, zu Opfern werden, dann darf es keine falsche Toleranz geben. Hier gibt es nur eins: sag NEIN!", betonte die Grünenpolitikerin.

Uwe Schubert (mobit) und Astrid Rothe-Beinlich machen Mut zu Zivilcourage und warnen vor falscher Toleranz . (Die rechts neben Astrid Rothe-Beinlich sitzende Beate Meißner ist nicht im Bild).

Beeindruckend war auch die Ausstellung der Friedensinitiative Berlin Zehlendorf. Irmela Mensah-Schramm, die seit Jahren unterwegs ist und Hass fotografiert und vernichtet präsentierte ihre Bilder vor Ort und machte Mut, selbst aktiv zu werden. Sie selbst ist seit Jahren unterwegs, um Naziaufkleber von Mauern und Laternenmasten abzukratzen und Nazischmierereien zu übermalen, um eine bunte Spur gegen braune Gedanken zu setzen und erhielt dafür bereits mehrere Preise.

Die vielen Wortbeiträge machten deutlich, wie hoch der Bedarf ist, sich zu verständigen und einander Mut zu machen, um immer wieder Gesicht zu zeigen und Rechtsextremismus wie die NPD nicht zur "Normalität" werden zu lassen, sondern immer wieder dagegen aufzustehen.


weitere Berichte: