Gott, Adam, Lilith, Eva, Aus

Die Theatergruppe des Predigerkellers Erfurt zeigte am Samstag das bereits zwei Tage zuvor uraufgeführte Spielprojekt „Eva & Lilith oder Adams Second Life“, eine vieldeutige und witzige Inszenierung des jüdischen Stoffes. Der Einstieg in das aus verschiedenen Versatzstücken bestehende Spiel zum Thema „Frauenbild“ gelingt durch eine pantomimische Wettkampfparodie: Zwei Frauen – die eine Hausfrau, die andere Allrounderin - treten im Profibügeln gegeneinander an. Nachdem die Zweite die Erste mit dem heißen Bügeleisen angegriffen hat, wird die Unsportlichkeit ohne Auflösung der Situation ausgeblendet. Über ein Zwischenspiel, bei dem Gott – jetzt erkennt man ihn – seinen Geschöpfen Leben einhaucht, gelangten wir ins Paradies. Gott spricht dort mit Adam. Adam will wissen, Gott antwortet. Und Lilith? „Sie ist dir zur Seite gestellt. Sie die Leichtigkeit, du die Bodenhaftung.“ Zwei Hälften einer Kugel, Yin und Yan, eine uralte Poesie, geschaffen, um eins zu werden, um Lilith zu verdoppeln. Nachdem Gott gegangen ist, erscheint sie und steht dem jetzt dreigeteilten Adam gegenüber: Dem Guten, Rationalen, Nüchternen, der sie schön nennt. Dem Leidenschaftlich-Lustvollen, Emotionalen, der beginnt sie zu bedrängen. Und dem Nölenden, Sorgenden, der gleich jammern muss. Lilith eilt zu dem, der ihr schmeichelt, bis sie genug von ihm hat, geht zum Nächsten, bis sie genug von ihm hat, und zum Nächsten, bis sie doch wieder zum Ersten läuft und von ihm wieder zum Zweiten. Ist ihr eine Antwort, eine der Aussagen nicht genehm, ist sie fort. Immer schneller dreht sich das Karussell, und als Lilith erkennt, dass Adam – gleich in welcher Fasson – ihr seine Vorstellung von körperlicher Vereinigung aufdrängen will, verschwindet sie ganz. Schließlich ist sie eine Emanze und lebt lieber selbstbewusst bei den Dämonen als beim Sex unten zu liegen.

Gott jedoch braucht für seinen Plan eine neue Frau. Adams Wünsche helfen ihm nicht weiter: Hauptsache, keine Flügel mehr! Gott hat wohl die freie Stelle ausgeschrieben, denn plötzlich läutet es an der Tür und er führt, am Tisch sitzend, Bewerbungsgespräche. Erst mit einer Barbie-Karrierefrau, der der Sinn nach Ruhe und einem pinkfarbenen Häuschen am Strand steht; dann mit einem sich inszenierenden Modell, die ihren Sinn darin sieht, den Männern zu gefallen. Da ist doch keine die rechte. Die Putzfrau, die zufällig und bescheiden daherkommt, macht schließlich das Rennen, ohne dass sie es wollte, und darf auf Probe einen Tag Auszeit im Paradies nehmen. Mit Option auf Dauerbeschäftigung bis in die Unendlichkeit.

Die drei jungen Darstellerinnen wechseln permanent die Rollen, schlüpfen von der Eva in die Lilith und zurück. Sie locken und verführen sich wechselseitig. Es sind Facetten der Frau, aller Frauen, einer Frau. Ein sündhaft roter Gürtel, das Lilith-Zeichen wechselt zwar die Taillen und mit ihm wandeln sich die Gemüter, doch bald schon ist klar, dass sie alle Lilith in sich haben und alle Eva. So bleibt es nicht aus, dass sich nach verzeifeltem Ringen alle Lilithevas und mit ihnen alle Adam-Figuren vor einem Apple-Laptop wiederfinden, dessen Bildschirm nur sie, die vom Baum der Erkenntnis gegessen haben, sehen können. Dass sie etwas erblicken, das überraschend und berührend ist, das Neugier weckt und Neugier befriedigt, kann der Zuschauer nur den Gesichtern entnehmen. Bis Gott kommt und straft. Doch er kommt zu spät. Die Unschuld ist bereits verloren.

 

Claudia Kanz


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